Geschichte Villa Skupin

Der Standort

Berlin besteht bekanntlich aus zahlreichen Dörfern und Kiezen. Auch Lichtenberg lag – als bereits gut entwickelter Ort und wie zahlreiche andere Landgemeinden und Gutsbezirke – vor den Toren der Stadt und wurde 1920 zu Groß-Berlin eingemeindet.
Seit den Gründerzeitjahren Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich hier, unweit des Lichtenberger Rathauses, südlich der heutigen Frankfurter Allee, eine Ansiedlung von Industrie und Gewerbe entwickelt. Hier im Ortsteil Friedrichsberg entstand in kleinteiliger Parzellierung, entlang schmaler Straßen, ein typisches Mischgebiet aus viergeschossiger proletarischer Wohnbebauung, Gewerbebetrieben und Kleingärten.
Der Fleischermeister Paul Skupin erwarb etwa 1924 das Grundstück Tasdorfer Straße 9 und ließ eine Fleischwaren- & Konservenfabrik errichten. Auch ein repräsentatives Wohnhaus wurde 1926-28 für die Familie gebaut – die Fabrikantenvilla Skupin.
Beide Gebäude blieben im Krieg unversehrt. Die Fabrik wurde ab November 1945 als Großküche für Schülerspeisung und Schweinemästerei weitergeführt. 1955 übernahm Paul Skupin jun. das Familien-Unternehmen. Ab Oktober 1958 gelangten Fabrik und Grundstück in Besitz des VEB Fleisch- und Fettverarbeitung Berlin-Weißensee.
Im Zuge der Errichtung eines neuen Großwohngebietes, ab Anfang der 1970er Jahre, erfuhr die ursprüngliche Gebietsstruktur eine komplette Umgestaltung. Die meisten alten Gebäude, wie auch die Fabrik, wurden abgerissen um Baufreiheit für die Neubauten und die Infrastruktur zu schaffen.
In unmittelbarer Nähe zwischen der katholischen Lichtenberger Pfarrkirche St. Mauritius (erbaut 1891/92) und der Gemeinde-Schule von 1905 bildet die ehemalige Villa Skupin heute einen überraschenden Kontrast zu den hell leuchtenden Elfgeschossern und Hochhäusern.

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Die Architektur

Die Entwürfe der Villa verfasste der Architekt Franz Alcer im modernistischen Stil des Art-Déco „als würfelförmigen Klinkerverblendbau von zwei Geschossen unter einem ausgebauten Mansardwalmdach“.
Mit expressionistischen Anklängen in der Gebäudegestaltung und ihren reichen Innenraumdekorationen stellt die fast 100 Jahre alte Villa heute ein architektonisches Kleinod dar.
Alte Fotos aus der Entstehungszeit des Hauses vermitteln einen Eindruck der zeitgenössischen Ausstattung. Hölzerne Fußböden und Wandtäfelungen sowie feine Stuckdekore – die Räume waren individuell ausgestaltet. Vieles davon blieb bis heute weitgehend erhalten. Die ehemalige Fabrikantenvilla steht als einzigartiges Zeugnis ihrer Entstehungszeit – der Golden Twenties – unter Denkmalschutz.
Die einstigen Räume wie Salon, Speisezimmer, Damenzimmer stehen heute als Galerie und Werkstatträume für Nutzer:innen offen und begeistern mit ihrem Ambiente die Gäste des Hauses.

Ein Haus der Kunst und Kultur

Nach verschiedenen Nutzungen hat seit 1976 das Studio Bildende Kunst in der alten Villa sein Domizil. Es ging aus dem Lichtenberger Kulturbund hervor mit dem Ziel, die Graphik-Kunst zu fördern. Kulturelle Bildung und kunsthandwerkliche Fertigkeiten zu grafischen und Druck-Techniken zu vermitteln, sind der Anspruch, dem bis heute und auch zukünftig gefolgt wird.
In großer Eigeninitiative etablierten sich Mal-, Zeichen und Aktzirkel sowie Zirkel für Druckgrafiken und Keramik/Töpferei; wie es hieß „die finanziellen Mittel waren gering, der Zulauf jedoch groß“.
1985 berichtete die Berliner Zeitung von 17 bestehenden Zirkeln und „Bis in die späten Abendstunden verlischt hier das Licht nicht“. Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Musikveranstaltungen, Feste ergänzten das Angebot und wurden durch engagierte Mitarbeiter:innen, Künstler:innen vermittelt. Von Interessierten wurden und werden sie heute noch gut besucht. Menschen mit oder ohne künstlerische Erfahrungen sind willkommen.
Eine gute Tradition wuchs durch Ausstellungen der künstlerischen Graphik, die in ihrer Qualität und Breitenwirkung legendär waren. Arno Mohr, Christine Perthen, Klaus Rähm, Werner Schinko – die Liste der im Haus vorgestellten Meister:innen ihres Fachs ist lang.
Weitere Eckdaten sind – 1990 die Gründung des Vereins Berliner Grafikfreunde INVENTOR e.V. mit dem Schwerpunkt künstlerischer Druckgraphik. Seit 2000 wurden auch Berliner Kunststudierende präsentiert und die alljährliche Kunstversteigerung zugunsten der Aktion ´Kinder von Tschernobyl´ organisiert. Man kooperierte mit der Druckwerkstatt des Kreuzberger Kunsthauses Bethanien und seit 2006 mit der Griffelkunst Vereinigung Hamburg e. V. Hervorgegangen aus langjährigen künstlerischen Kursen im Hause, gründete sich 2015 das hier ansässige Graphik-Collegium Berlin e. V.
Regelmäßig gab es für das Studio Bildende Kunst Herausforderungen zu meistern, es stand mehrfach finanziell vor dem Aus. Mit viel Einsatz engagierter Mitarbeiter:innen und Vereinsmitglieder ging es jedoch immer weiter.
Die Arbeit fand ab 2004 mit dem heutigen Träger Kulturring in Berlin e. V. und die produktive Zusammenarbeit und freundliche Unterstützung des Bezirksamts Lichtenberg, Fachbereich Kunst und Kultur, zu neuer Stabilität.
Neben der Weiterführung der guten Traditionen gilt das Augenmerk heute immer wieder der Suche nach neuen Ansätzen und dem kreativen Wandel. Der Schwerpunkt wird bleiben Eine Galerie mit Werkstattcharakter.

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